Baustart für Westring: Enorme Belastungen für Anrainer:innen
Lärm, Staub, Erschütterungen und eine Großbaustelle in unmittelbarer Nähe: Dieses Szenario wird mit dem heutigen Spatenstich für den Westring für viele Linzer:innen in den kommenden sechs Jahren belastende Realität. „Im Jahr 2026 eine Autobahnschneise mitten durch die Stadt zu betonieren, während Städte wie Paris alles daransetzen, den Autoverkehr aus dem Zentrum zu drängen, ist einfach nur zukunftsvergessen. Das bedeutet enorme Belastungen für Anrainer:innen, einen massiven Schaden für Umwelt und Lebensqualität sowie einen finanziellen Scherbenhaufen für die Stadt. Und als wäre das nicht schlimm genug, zahlt die Stadt für diese Zerstörung auch noch kräftig mit, obwohl die Finanzierung einer neuen Autobahn definitiv nicht städtische Aufgabe ist. Insgesamt lässt sich die Stadt die Autobahnen durch Linz – A7 und A26 – 70 Millionen Euro kosten“, macht die Linzer Umweltstadträtin Eva Schobesberger deutlich.
Welche Auswirkungen der Bau des Hauptteils der Autobahn hat, ist Ende des vergangenen Jahres auf dramatische Weise sichtbar geworden. Mehr als 240 Bäume in und um den Bergschlösslpark sind unter großem Protest vieler engagierter Bürger:innen gefällt worden, damit hier künftig die tägliche Autolawine durch die Stadt rollen kann. „Wie dringend wir jeden einzelnen Baum und jeden Flecken Grün in der Stadt benötigen, hat uns die beispiellose Juni-Hitzewelle erneut vor Augen geführt. In diesem ohnehin schon dicht versiegelten Stadtteil fast alles abzuholzen, ist wie Benzin in ein brennendes Haus zu gießen“, erinnert Schobesberger daran, dass wir uns auch in Linz gerade erst von der längsten und extremsten Juni-Hitzewelle überhaupt erholen. Erst vergangenes Wochenende wurden beim Hauptbahnhof 39,3 Grad aufgezeichnet. Das ist die höchste in Linz je gemessene Temperatur überhaupt. Zwölf Tropennächte mit Extremtemperaturen von bis zu 32 Grad noch um Mitternacht wurden verzeichnet. Die neuen Asphalt- und Betonflächen für die Autobahn werden das weiter verschärfen.
Doch das Abholzen des Bergschlösslparks war erst der Anfang. Denn der Bereich rund um den Bahnhof wird für Jahre zu einer in Linz kaum jemals gesehenen Groß- und Dauerbaustelle werden. „Die Anrainer:innen werden mindestens sechs Jahre dem täglichen Lärm des Betonierens, Stemmens, Bohrens sowie vielen weiteren unangenehmen und lautstarken Begleiterscheinungen ausgesetzt sein. Was das für das Alltagsleben der Betroffenen bedeutet, mag man sich kaum vorstellen“, gibt Schobesberger zu bedenken. Schließlich zeigen sogar die schöngefärbten Bilder von der Asfinag die negativen Folgen für den Stadtteil auf (siehe mitausgeschickte Visualisierung, Quelle Asfinag). „Die Realität wird noch verheerender sein: Denn die auf den Visualisierungen zu sehenden Bäume werden so nicht wachsen und die ach so leeren Straßen auf mehreren Ebenen werden in der Realität voller Autos sein“, so Schobesberger.
Weitere Kostensteigerungen zu befürchten
Unterdessen spielt dafür trotz allseits angespannter Budgets auch Geld keine Rolle. Insgesamt kostet die Autobahnschneise mindestens 1,18 Milliarden Euro, rund 56,3 Millionen Euro überweist dabei die Stadt Linz nach Wien. Wie sehr die Kosten über die Jahre explodiert sind, zeigt sich daran, dass der städtische Anteil zu Vertragsbeginn noch 31,3 Millionen Euro betragen hat und somit bereits um 25 Millionen Euro gestiegen ist. „Doch anstatt die Reißleine zu ziehen, stehen SPÖ, ÖVP und FPÖ nach wie vor am Gaspedal, um möglichst schnell Richtung verkehrspolitischer Vergangenheit zu rasen, und lehnen jegliche Prüfung zum Ausstieg aus dem Finanzierungsvertrag ab. Das ist zum Kopfschütteln, schließlich ist die Finanzierung von Autobahnen nicht Aufgabe der Stadt“, macht Schobesberger deutlich.
Zu befürchten ist, dass die Kosten noch weiter steigen. Denn alleine der steckengebliebene Bohrkopf hat gezeigt, wie schwierig der Untergrund ist, durch den der Freinberg-Tunnel gegraben werden soll. „Unabhängig davon wird der Bahnhofsknoten die kommenden sechs Jahre nicht nur die größte Dauerbaustelle der Stadt, sondern dem Stadtteil nach der Fertigstellung eine ungeahnte Verkehrslawine begleitet von Autolärm und Abgasen bescheren“, so Schobesberger.