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15.07.2026 Pressemeldung

Niederschlagsdefizit in Linz von 20 Milliarden Litern

Bibertechnik schützt Teile des Haselbachs und Sammelgerinnes bis jetzt vor Austrocknung

In Linz fiel im Jänner, März, April und Mai deutlich zu wenig Niederschlag. Nur im Februar lag eine überdurchschnittliche Niederschlagssumme vor. Für Juni lagen in Teilen von Linz Niederschlagssummen knapp über dem langjährigen Mittel – aber insgesamt über das gesamte Stadtgebiet auch in diesem Monat zu wenig. Zur Einstufung der Trockenheit kann der SPEI-Trockenheitsindex herangezogen werden. Dieser stellt gegenüber, wie hoch an einem Ort die Verdunstung (angetrieben durch Temperatur, Sonneneinstrahlung, Wind und Luftfeuchtigkeit) im Vergleich zum Niederschlag ausfiel. Über einen Zeitraum von knapp drei Monaten betrachtet, zeigt sich, dass in Linz die Trockenheit als schwere Dürre eingestuft werden kann. Fallweise wurde die Grenze zur extremen Dürre knapp erreicht.

 

„Neben der Hitze macht uns die Trockenheit auch in Linz immer mehr zu schaffen. Wir haben seit Beginn des Jahres ein Niederschlagsdefizit, das etwa 50-mal dem Pleschinger See entspricht. Das geht an unserer Stadtnatur nicht spurlos vorüber. Auch Bäche trocknen aus. Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir in Zukunft noch mehr mit solchen Hitze- und Trockenheitsphasen umgehen müssen. Deshalb arbeiten wir im städtischen Grün- und Klimaressort mit aller Kraft daran, unsere Stadt klimagerecht umzubauen“, so Umwelt- und Naturschutzstadträtin Mag.a Eva Schobesberger. Neben Begrünungsmaßnahmen, dem Ausbau der kostenlosen Trinkbrunnen oder der Baumoffensive wurde mit cooleslinz.at auch ein Hitzeschutzplan in Kraft gesetzt.

 

Das Beaverlab-Team um Fabian Holzinger und Franziska Thurner hat gemeinsam mit dem städtischen Wasserbau gezeigt, mit welchen vergleichsweise einfachen, aber innovativen Methoden das Trockenfallen von Bächen mit der Mitarbeit von Bibern abschwächen können.
Das von der Stadtklimatologie ausgewertete Niederschlagsdefizit in Zahlen bedeutet, dass über dem gesamten Linzer Stadtgebiet und im näheren Einzugsgebiet der Bäche seit Jahresanfang in der Größenordnung von ca. 20 Milliarden Litern zu wenig an Niederschlag gefallen sind (Berechnungsgrundlage GeoSphere Austria SPARTACUS-v3 Datensatz). Umgelegt auf bekannte nahegelegene Seen entspricht dies knapp 50-mal dem Pleschinger See oder etwa 20-mal dem Pichlinger See.

 

Bibertechnik schützt Teile des Haselbachs und des Sammelgerinnes vor Austrocknung

 

Ende August 2024 sind die Urfahraner Bäche teilweise ausgetrocknet gewesen, im Haselbach war bei einem Pegelstand von 17 Zentimeter (Pegel Asberg) auf der Höhe der Freistädter Straße kein Gerinneabfluss mehr vorhanden. Die Nachbarschaft entlang des Haselbachs kam zur Fischrettung, die Berufsfeuerwehr Linz hat als Notlösung Wasser in den Haselbach eingeleitet.

 

Seitdem gab es Überlegungen seitens Beaverlab, der Naturkundlichen Station und dem Fachbereich Wasserbau der Stadt Linz, die Linzer Bäche so weit wie möglich vor Dürrephasen und Austrocknung zu schützen. Aus diesen Überlegungen ist das Projekt „Beaver Dam Analogs“ entstanden. Im Dezember letzten Jahres wurde die Förderung des Projekts mit Mitteln des städtischen Klimafonds vom Linzer Gemeinderat beschlossen. Zielsetzung des Projektes ist es, mittels Beaver Dam Analogs (BDAs) und anderen minimalinvasiven, naturbasierten Lösungen einen Teil der Urfahraner Stadtbäche (in einem mehr als fünf Kilometer umfassenden Abschnitt) vor Austrocknung zu schützen, Wasserrückhalt und Biodiversität zu fördern und die Maßnahmen begleitend zu evaluieren (Fischfauna, longitudinale Durchwanderbarkeit, Refugialhabitate und Wassertemperaturen im Kontext von Biberdämmen und BDAs).

 

Seit März 2026 werden im Projektgebiet aktiv BDAs gesetzt. Großteils wurden diese von der lokalen Biberfamilie aufgenommen und weiterverbaut. Diese gezielte Maßnahmensetzung hat im Jahr 2026 dazu geführt, dass Sammelgerinne und Haselbach bis dato nicht trockengefallen sind.

 

 

Allgemein kann durch BDAs die Trockenlegung der Urfahraner Bäche um etwa vier bis fünf Wochen hinausgezögert werden. Obwohl Ende Mai das erste Mal ein Niederwasserstand von 17 Zentimeter gemessen worden ist, gab es erst Anfang Juli die erste Meldung über eine ausgetrocknete Gerinnestrecke am Diesenleitenbach / Beginn Sammelgerinne. Diese Verzögerung gibt der Gewässerfauna die notwendige Zeit, dass sie sich mit dem sinkenden Wasserstand in Richtung der Tümpel zurückzieht und somit erhöhte Überlebenschancen hat. Insoweit wurde in den Teststrecken das Projektziel Schutz vor Austrocknung auch erreicht.

 

Jedoch hat bei einer länger anhaltenden Dürrephase auch das Aufstauen durch BDAs gewisse Grenzen: Biberdämme und BDAs funktionieren, solange die Wasserbilanz das erlaubt, d.h, wenn die Verdunstung durch extreme Hitzephasen in den aufgestauten Bachstrecken zunimmt und gleichzeitig nur minimale Niederschlagsmengen einen positiven Beitrag zur Wasserbilanz leisten, dann wird die Wirkung der Rückhaltemaßnahmen begrenzt und somit können mehrere Bachabschnitte in den natürlich dotierten Linzer Bächen vor Austrocknung gefährdet sein.
Am 11. März 2026 wurde am Haselgraben ein Mittelwasserstand von 26 Zentimeter registriert. Seit Ende April 2026 werden fast kontinuierlich Pegelstände niedriger als 20 Zentimeter registriert.

Als Referenz werden die charakteristischen Daten des Pegels Asberg am Haselbach herangezogen:

 

Dürreindex SPEI

Der SPEI (Standardized Precipitation Evapotranspiration Index) ist ein Dürreindex, der sowohl den Niederschlag als auch die potenzielle Evapotranspiration (also den klimatisch bedingten Wasserverlust) berücksichtigt. Er beschreibt, wie stark die Wasserverfügbarkeit von den üblichen Bedingungen abweicht.

SPEI-Wert Einstufung

  • ≥ 2,0 Extrem feucht
  • 1,5 bis 1,99 Sehr feucht
  • 1,0 bis 1,49 Mäßig feucht
  • -0,99 bis 0,99 Nahe normal
  • -1,0 bis -1,49 Mäßige Dürre
  • -1,5 bis -1,99 Schwere Dürre
  • ≤ -2,0 Extreme Dürre

Schwere Dürre (Severe Drought): SPEI zwischen -1,5 und -1,99

  • Deutlich unterdurchschnittliche Wasserverfügbarkeit.
  • Häufig erhebliche Auswirkungen auf Landwirtschaft, Vegetation und Wasserressourcen.

Extreme Dürre (Extreme Drought): SPEI ≤ -2,0

  • Außergewöhnlich starke Wasserknappheit.
  • Typischerweise verbunden mit weitreichenden ökologischen, hydrologischen und wirtschaftlichen Folgen.

 

Text- und Fotoquelle: Stadt Linz

Eva Schobesberger

Stadträtin für Klima, Stadtgrün, Frauen und Bildung und Bezirkssprecherin der Grünen Linz

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